top of page

Abenteuer Wild Coast

  • Autorenbild: Henne
    Henne
  • 23. Dez. 2021
  • 4 Min. Lesezeit

Die Wild Coast ist ein Küstenabschnitt im Osten Südafrikas. Die Region ist sehr ursprünglich und naturbelassen. In den kleinen Dörfern leben vor allem die Xhosa. Im Reiseführer habe ich gelesen, dass es bei den Xhosa auch den Frauen gestattet ist, Pfeife zu Rauchen. Sie benutzen dafür aber einen langen Stiel, damit die Asche beim Stillen nicht auf die Babys fällt 😅 Außerdem wird den Schwangeren geraten, ab und zu ein Glas Pavianurin zu sich zu nehmen, da dies die Geburt vereinfachen soll.

Nach ausführlicher Recherche und Planung der Route mittels GPS und Tracks for Africa, fahren wir von Cannon Rocks Richtung Wild Coast. Unser Startpunkt zur Erkundung ist Qolora Mouth. Hier haben wir uns einen völlig überteuerten Campingplatz gebucht. Durch die Sommerferien sind die Preise teilweise doppelt und dreifach so hoch, wie in der Nebensaison.

Je näher wir der Wild Coast kommen, desto mehr Kühe und Ziegen liegen auf der Straße und desto größer werden die Schlaglöcher, teilweise 1/2 m tief. Kurz vor unserem Ziel steht eine Flussüberquerung mittels Fähre, ein Ponton mit Außenborder, an. Nachdem die Passagiere, ein paar Pferde und ihre Reiter, von Bord gegangen sind, dürfen wir auf die Fähre fahren. Der Kapitän sieht aus wie aus einem 90er Jahre Hip Hop Musikvideo entsprungen. Trocken gelangen wir auf die andere Seite.

Der Campingplatz ist richtig schön, nicht überfüllt und ein perfekter Startpunkt für unsere Tour. Unser erstes Ziel ist Dwesa, ein Naturschutzgebiet an der Küste. Für den ersten Tag sind 130km geplant. Klingt wenig! Es geht über Schotterpiste, an Kühen und Ziegen vorbei. Der Großteil der Biester bewegt sich schon von der Fahrbahn weg, wenn man sich mit dem Auto nähert. Einige lassen sich jedoch gar nicht stören und bewegen sich nur nach Aufforderung.

Die Menschen leben hier in einfachen Hütten. Es gibt weit und breit keine Supermärkte, Tankstellen oder Straßenschilder. Google Maps kann man hier total vergessen. Die Kinder winken uns vom Straßenrand zu und betteln um Süßigkeiten, indem sie lauthals „sweeeets“ schreien. Zum Glück waren wir heute frühe Vögel und sind um 9 Uhr losgefahren. Für die 130 km haben wir 6 Stunden gebraucht.

Die Anmeldeformalitäten bei der Einfahrt in das Naturreservat erfordern unsere Geduld. Nachdem wir 5 Zettel ausgefüllt haben, dürfen wir nun auf den Campingplatz. Wir parken Charly ganz brav auf der gebuchten Nummer 40, werden von einer Horde Meerkatzen begrüßt und erkunden noch ein bisschen den Strand. Keine Menschenseele weit und breit. Unsere Befürchtung, dass über die Weihnachtsferien alles überfüllt und ausgebucht ist, hat sich noch nicht bestätigt.

Am zweiten Tag geht es weiter zum Wild Lubanzi. Nachdem wir den ersten Abschnitt gut gemeistert haben, wagen wir uns heute an die 4x4 Tracks. Bei der Abzweigung auf den Track steht sogar ein Straßenschild. Dann kann es ja so schlimm nicht sein?! Durch Eukalyptuswälder geht es ganz smooth die Pisten entlang.

Gut durchgeschüttelt erreichen wir unser heutiges Ziel. Wild Lubanzi ist eine Backpaper Unterkunft mit genug Platz zum Campen. Zwar auf dem Nachbargrundstück neben Ziegen und Schafen, aber wenigstens stehen wir einigermaßen gerade. Es gibt mehrere kleine Hütten, unter anderem auch das Hobbit Haus. Als wir einchecken wollen, begrüßt uns ein barfüßiger Typ, der auch noch aussieht, wie Pippin aus der Herr der Ringe. Am Abend werden wir von Pippin bekocht. Es gibt vegetarisches Thai Curry. Für die Gäste steht außerdem eine Kiste voller schöner Kräuter bereit. Einigen sieht man den den Genuss am nächsten Morgen eindeutig an 😵‍💫

Mit glänzenden 4x4 abenteuerlustigen Augen entdeckt Mark auf der Karte einen Abkürzung. Ein Blick nach draußen verrät, dass da zumindest schonmal jemand gefahren ist. Auch Pippin ist zuversichtlich. Na dann los! Der Weg führt zunächst durch einen kleinen Fluss. Danach geht es steil bergauf, auf Gras und Matsch. Wir scheitern fast an einer großen Matschpfütze, aber mit etwas Geduld, 180 Puls und einer schönen Schlammpackung für Charly, kriechen wir langsam aber sicher den steilen Hügel hinauf. Puh, erstmal geschafft.

Wir halten in dem berühmten Ferienort Hole in the Wall, um uns the hole in the wall anzuschauen. Ein Loch in einem Felsblock, umringt vom Meer und einer traumhaften Landschaft. Leider haben wir noch einiges an Strecke vor uns und daher keine Zeit zum Baden.

Es geht weiter durch einen Fluss, da leider die Brücke nicht mehr existiert und über ausgewaschene Pisten. Ab und zu fällt Mark einen halben Baum, damit Charly halbwegs unbeschadet durch das Gestrüpp kommt. Charly meistert die Pisten ohne Murren.

Auf der Straße entdecken wir plötzlich einen Halbstarken, der gerade mit seiner Schubkarre hantiert. Er legt sie direkt in der Mitte der Fahrbahn ab, um und zum Stehenbleiben zu zwingen und versteckt sich. Charly ist zum Glück schmal und wir können die Karre einfach umfahren. Wütend rennt er uns hinterher und haut noch einmal mit der Hand gegen unser Auto. Ich war froh, dass wir nicht halten mussten.

Ein Schild markiert nach ca. 60 km und Stunden später das Ende der Wild Coast. Auf einmal ist kein einziges Tier mehr auf der Fahrbahn, die Straßen sind fast perfekt und es kommen uns moderne SUVs entgegen…

Puh, das war ein langer Tag. Am späten Nachmittag kommen wir in Port St Johns an und machen es uns auf einem schönen Campingplatz gemütlich.

Das war ein Abenteuer!





 
 
 

Kommentare


© 2023 Die Welt sehen. Erstellt mit Wix.com

bottom of page